OF Güsten zu Gast in Aderstedt
Der Dienst am 20. April 2026 war wieder etwas Besonderes. Insgesamt 23 Einsatzkräfte der OF Güsten kamen zu uns, um sich vor Ort über Konzepte, Abläufe und die praktische Umsetzung der Einsatzstellenhygiene zu informieren.
Ziel war der Ausbau der eigenen Leistungsfähigkeit in diesem Bereich. Gleichzeitig ging es um unsere Erfahrungen damit aus der Einsatzpraxis.
Einsatzstellenhygiene ist heute unverzichtbar
Die Anforderungen an Feuerwehren haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Veränderte Zusammensetzung von Brandlasten aus modernen Materialien und komplexe Einsatzlagen, setzen Einsatzkräfte verstärkt gesundheitsschädlichen Stoffen aus. Besonders Atemschutzgeräteträger sind durch Rauchgase, Rußpartikel und krebserregende Substanzen gefährdet.
Daher muss die Kontamination so gering wie möglich gehalten und eine Verschleppung von Schadstoffen verhindert werden. Dabei geht es nicht nur um den unmittelbaren Schutz während des Einsatzes, sondern auch um Maßnahmen danach, wie z.B. von der Grobreinigung bis zur sicheren Rückführung in das Gerätehaus.

Die OF Aderstedt hat in den letzten Jahren dafür ein ausgefeiltes Konzept entwickelt und wurde adäquat von der Stadt Bernburg als Träger materiell ausgestattet. Mittlerweile bestehen auch etliche Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung in Einsatz.
Die Theorie: Vorstellung des Hygienekonzepts
Der Einstieg in das Thema begann mit einer Einführung in die organisatorischen und taktischen Grundlagen der Einsatzstellenhygiene. Dabei wurden vor allem folgende Aspekte hervorgehoben:
- Wahl des Dekonplatzes
- Hygienestufen I und II
- strukturierte Einsatzstellenorganisation mit klar definiertem Rot,- Gelb,- und Grünbereich
- Personalbedarf für die Einrichtung und Absicherung des Durchlaufes der AGT durch die einzelnen Bereiche
- Anforderungen an die Logistik für Lagerung, Transport und Aufbau
- zeitliche Abläufe und Integration in bestehende Einsatzstrukturen
- Versorgung der eingesetzten Kräfte unter hygienischen Gesichtspunkten
Natürlich bekamen die Güstener auch die komplette Ausstattung erläutert. Dazu gehörten unter anderem:
- Einsatzmittel zum Abgrenzen der Bereiche (z.B. verschiedene Schnelleinsatzzelte, Planen)
- Rollcontainer mit Klapptischen, Klappbänken und Beleuchtung
- Kompressor zur Grobreinigung der PSA, Stiefelreiniger
- Systeme zur Sicherung und den Transport kontaminierter Ausrüstung bzw. PSA
- Rollcontainer mit mehreren Hygienekisten mit Wechselsachen, Reinigungsmitteln u.ä.
- Waschstation

Es war sofort ersichtlich, dass die Schritte des Durchlaufes eines AGT nicht nur einer bestimmten Reihenfolge unterliegen und sitzen müssen. Der Durchlauf ist ziemlich komplex und erfordert ein gewisses Know-How. Darüber hinaus muss das Ganze relativ schnell ablaufen.
Der Praxistest für Ernstfall
Nun mussten zwei Einsatzkräfte aus Güsten für den Praxistest ran und sich als AGT für den Durchlauf wie im Einsatz ausrüsten. Das die Helfer komplett im weißen Schutzanzug samt Mundschutz agierten, war zunächst optisch ein ungewohnter Anblick.
Vor allem die Details in der Abfolge der Handgriffe einzelner Aufgaben im jeweiligen Bereich, sorgten aufgrund der Fülle immer wieder für erstaunte Nachfragen. Die Güstener Einsatzkräfte begannen zu erahnen, was unter dem Druck und Tempo im Einsatz auf sie zukäme.
Kein Wunder, dass der materielle und personelle Aufwand Fragezeichen auslöste. Letztendlich erfordert ein derartiges Konzept zunächst Investitionen und die Analyse der Machbarkeit für den eigenen Personalbestand.
Aber es wurde auch deutlich, entscheidend ist weniger eine High-End-Ausstattung, sondern vielmehr ein durchdachtes System und die konsequente Anwendung.
Im Fazit wurde der gemeinsame Dienst als ausgesprochen interessant und bereichernd hervorgehoben. Intern tauchte die hoffnungsvolle Frage auf, ob die Aderstedter bei entsprechenden Einsätzen nicht mit Güsten ausrücken könnten. In dieser Form das größtmögliche Lob für die Demonstration des Hygienekonzeptes für Einsatzstellen.