Gemeinsame Übungen von Ortsfeuerwehren
Es gibt solche und solche Dienste. Der letzte war ohne Frage ein Höhepunkt. Warum? Die Ortsfeuerwehren aus Biendorf-Wohlsdorf, Baalberge, Gröna, Poley und Aderstedt trafen sich zu einem Ausbildungstag mit realistischen Szenarien.
Schon am Morgen war eine gewisse Grundspannung spürbar, als die Einsatzfahrzeuge am Gerätehaus in Aderstedt eintrafen und die Besatzungen ausstiegen. Die meisten kannten sich, wenige begegneten sich an diesem Tag zum ersten Mal im Einsatzkontext. Genau hier setzte die Idee des Sonderdienstes an. Bei Großeinsätzen werden gewohnte Strukturen aufgebrochen, neue Trupps gebildet und die Zusammenarbeit muss aus dem Stand perfekt klappen.
Gemischt im Einsatz
Aus diesem Grund wurden gleich nach der Begrüßung die Einsatzkräfte bewusst gemischt auf die Fahrzeuge verteilt. Plötzlich saß man nicht mehr ausschließlich mit der eigenen Wehr zusammen.
Bei den Diensten innerhalb einer Wehr funktionieren viele Abläufe schon allein durch die Anzahl der Wiederholungen irgendwann reibungslos. Jeder kann sich auf jeden verlassen – aus Gewohnheit. Bei einer komplett neuen Zusammenstellung einer Gruppe im Einsatzfahrzeug kann das jedoch ganz anders aussehen. Plötzlich fühlt es sich wie eine Prüfungssituation an. Dieses Gefühl täuscht nicht!

Psychologisch geschickt, folgte der Einweisung das Frühstück. Die Wirkung von Kaffeeduft und Brötchen spiegelt sich unverkennbar in der Mimik der Einsatzkräfte. Das mindert die Anspannung und lockert die Atmosphäre. Der einzige Part des Tages, der nicht einem realistischen Einsatz entsprach.
Danach folgte die Einweisung in die Fahrzeuge und deren Ausstattung. Gerade bei gemischten Besatzungen ist es entscheidend, sich schnell zurechtzufinden. Wo ist was verlastet? Gibt es Besonderheiten? Welche Abläufe sind anders als gewohnt? Im Einsatz bleibt keine Zeit für Unsicherheiten.
Dann wurde es ernst. Die Einsatzkräfte begaben sich in den Bereitstellungsraum. Dort erhielten die Fahrzeuge ihre Alarmierung zur ersten Lage. Mit jedem startenden Motor stieg die Anspannung.
Die erste Einsatzlage
Brand in einem Logistikzentrum, starke Verrauchung auf mehreren Etagen, vier vermisste Personen.
Der Angriffstrupp ging unter Atemschutz vor. Im echten Einsatz bedeutet diese Lage, keine Sicht und Orientierung bei erschwerter Kommunikation.

Um die Bedingungen möglich realistisch wirken zu lassen, waren ihre Atemschutzmasken mit Folie beklebt. Jeden Schritt mussten sie ertasten. Im Ernstfall wirken auf die AGT enorme Hitze, Enge, Unsicherheit durch eingeschränkte Orientierung und gleichzeitig der Druck, Menschenleben zu retten. Im Inneren des Gebäudes begann die Suche nach den vermissten Personen. Gleichzeitig wurde die Brandbekämpfung eingeleitet. Doch wie so oft im Einsatz veränderte sich die Lage dramatisch.
Kein Wasser durch Ausfall der Pumpe
Was es bedeutet, wenn bei der Brandbekämpfung die Wasserversorgung wegbricht, kann sicher auch ein Laie sofort nachvollziehen. Sofort mußten die Führungskräfte die Lage neu bewerten und Lösungen finden.
Währenddessen trat eine Verschärfung der Situation ein. Das Feuer breitete sich stärker aus als zunächst angenommen. Das bedeutete Prioritäten anpassen, zusätzliche Kräfte koordinieren und Einsatzabschnitte neu bilden.
Plötzlich der nächste kritische Moment: AGT Notfall (simuliert)
Aus dem AGT-Trupp im Innenangriff geriet eine Einsatzkraft in Schwierigkeiten. Nun ging es nicht mehr nur um die Rettung der vermissten Personen, sondern auch um die Sicherheit der eigenen Einsatzkräfte. Der Sicherungstrupp kam sofort zum Einsatz.
Geschafft! Brand gelöscht. Trotz Zeitdruck und extrem erschwerten Bedingungen gelang sowohl die Rettung der Einsatzkraft unter Atemschutz, als auch nach intensiver Suche die der vermissten Personen.

Aber noch war der „Einsatz“ nicht vorbei. Schließlich mussten die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht werden. Schläuche tauschen, Geräte prüfen, Ausrüstung sortieren und verlasten, auch das gehört zu einem Einsatz.
Beim anschließenden Mittagessen war die Erleichterung spürbar. Die erste große Lage wurde erfolgreich bewältigt und wirkte nun in den Gesprächen nach.
Die zweite Einsatzlage
Verkehrsunfall zwischen einem landwirtschaftlichen Gespann und einem PKW, mehrere eingeklemmte Personen in und unter dem PKW, zwei vermisste Kinder
Die ersten Entscheidungen galten der Absicherung der Einsatzstelle, der Sicherstellung des Brandschutzes und und der medizinische Erstversorgung. Parallel bereiteten die Trupps die technische Rettung vor.
Der Pkw war stark deformiert. Die Türen ließen sich nicht öffnen und die Struktur des Fahrzeugs war massiv beeinträchtigt. Mit hydraulischem Rettungsgerät schufen die Einsatzkräfte Stück für Stück einen Zugang zu den eingeklemmten Personen.
Jeder Schnitt musste sitzen. Jede Bewegung musste abgestimmt sein. Nicht nur innerhalb der Feuerwehr, sondern ebenso mit dem Rettungsdienst.

Doch auch hier verschärfte sich die Lage. Irgendwie scheinen Wehrleiter bei der Planung solcher Übungen, einer masochistischen Ader zu folgen. Wie sonst kommt man auf die Idee, dass der anfliegende Rettungshubschrauber technische Probleme hat? Gleichzeitig bricht auch noch der Fahrer des landwirtschaftlichen Fahrzeuges zusammen. Bisher schien er unverletzt.
Natürlich denken sich Wehrleiter nicht aus Spaß derartige Lagen aus. Leider entspricht dies durchaus der Einsatzrealität. Besonders anspruchsvoll gestaltete sich die Rettung der unter dem Fahrzeug liegenden Personen. Das Fahrzeug stabilisieren, anheben und so sichern, dass keine zusätzliche Gefahr entsteht. Millimeterarbeit, bei der jeder Fehler schwerwiegende Folgen haben kann.

Trotz der hohen Belastung waren die Einsatzkräfte ruhig, konzentriert und professionell. Schritt für Schritt arbeiteten sie die Lage ab, bis schließlich alle verletzten Personen gerettet und an den Rettungsdienst übergeben werden konnten.
Nach der Übung folgt unvermeidlich die Manöverkritik. Für den Einsatzleiter ist das immer eine Gratwanderung zwischen Lob und Verbesserungspotential. Das er hierbei die richtigen Worte fand, stand in den zufriedenen Gesichtern der Einsatzkräfte mehr als deutlich geschrieben.